Mittwoch, 12. Juni 2013
Philosophien der Literatur
Friedrich Kittler, Philosophien der Literatur, 2013
Kittlers Vorlesungen wollten erklärtermaßen (vgl. „Danksagung“
in Eine Kulturgeschichte der Kulturwissenschaft, S. 9) mehr sein
als „jene mündlichen Improvisationen, wie sie sich seit Fichte
von Woche zu Woche durchschlagen“. Sie waren „die erschriebe-
nen Früchte“ der Wochenenden, die „zugleich ins Übertragungs-
medium akademischer Lehre und in die Speichermedien eines
nicht-kommerziellen Betriebssystems“ wanderten. Die überlie-
ferten Dateien lassen daran keinen Zweifel: Sie sind bis in die
letzte Pointe ausformuliert.
Dienstag, 26. Februar 2013
Frauen
Kippenberger, Frauen, 1980
Frankfurter Buchmesse 2005: Unweit des Haupteingangs der Mes-
sehallen hatte sich der Merve Verlag von Land's End einen ameri-
kanischen Wohnwagen aufstellen lassen, um dort den bezeugten Konsum von 100 g Wodka zum Preis von 10 Euro mit einem Exem-
plar der Nachauflage von Martin Kippenbergers »Frauen« zu hono-
rieren. Andrea Stappert hat es dokumentiert:
Samstag, 23. Juni 2012
Kirche und Reich
Meine Worte wohl wägend sage ich hier und jetzt: Heute gibt
es auf Erden keine legitime Gewalt, selbst die Mächtigen die-
ser Welt sind sich ihrer Illegitimität bewusst.
ser Welt sind sich ihrer Illegitimität bewusst.
Je le dis ici et maintenant en mesurant mes mots:
aujourd’hui
il n’y a plus sur terre aucun pouvoir légitime et les puissants du
monde sont tous eux-mêmes convaincus d’illégitimité.
il n’y a plus sur terre aucun pouvoir légitime et les puissants du
monde sont tous eux-mêmes convaincus d’illégitimité.
Lo
dico qui e ora misurando le mie parole: oggi non vi è sulla
terra alcun potere legittimo e i potenti del mondo sono essi
stessi convinti di illegittimità.
La Chiesa e il Regno, Edizione Nottetempo, Mailand 2010. Eineterra alcun potere legittimo e i potenti del mondo sono essi
stessi convinti di illegittimità.
erste Fassung dieses Textes wurde am 8. März 2009 in der Ka-
thedrale Notre Dame von Paris im Rahmen der Conférences de
Carême vorgetragen. Mit drei Fotographien von Armin Linke.
thedrale Notre Dame von Paris im Rahmen der Conférences de
Carême vorgetragen. Mit drei Fotographien von Armin Linke.
Dienstag, 8. November 2011
Kunst des Schreibens
Strauss/Kojève/Kittler, Kunst des Schreibens, 2009
IMD 316 enthält ein „Exordium“ von Andreas Hiepko: „Früch-
te einer Fernbeziehung“, Leo Strauss’ „Verfolgung und die
Kunst des Schreibens“ („Persecution and the Art of Writing“,
Social Research, Vol. 8, No. 4, November 1941. Die vorliegen-
de Übertragung folgt der geringfügig abweichenden Fassung
in: Leo Strauss, Persecution and the Art of Writing, Glencoe,
Ill. 1952 [© University of Chicago Press, Chicago, Ill.], aus dem
Englischen von Andreas Hiepko), Alexandre Kojèves „Kaiser
Julian und seine Kunst des Schreibens“ („The Emperor Julian
and his Art of Writing“, in: Joseph Cropsey (Hg.), Ancients and
Moderns. Essays on the Tradition of Political Philosophy in Ho-
nor of Leo Strauss, New York 1964, übersetzt von James H. Ni-
chols, Jr. Unsere Übertragung folgt: Alexandre Kojève, L’empe-
reur Julien et son art d’écrire, Paris 1990 [© Nina Kousnetzoff,
Paris], aus dem Französischen von Peter Geble) und Friedrich
Kittlers „Julian der Grieche“.
Sonntag, 30. Oktober 2011
Optische Medien
Friedrich Kittler, Optische Medien, 2002
Wenn es nach der lauteren Wahrheit ginge, müßte jede Vorlesung,
die von optischen Medien handelt, mit einem Lob jenes Sternes
beginnen, der das Irdische als das Sichtbare überhaupt erst zu se-
hen gibt. „Nichts Schöneres unter der Sonne, als unter der Sonne
zu sein“, schrieb Ingeborg Bachmann aus der demütigen Sicht die-
ser Irdischen. Leonardo da Vinci, hochmütiger und alteuropäischer,
sagte dasselbe aus der Sicht der Sonne selbst: Il sole non vide mai
nessuna ombra („Niemals sieht die Sonne einen Schatten“, Codex
Atlanticus, 300r.b).
So beginnt IMD 250.
Mittwoch, 19. Oktober 2011
Vom Griechenland
F. Kittler/C. Vismann, Vom Griechenland, 2001.
Die Endredaktion des Griechenlandbuchs von Cornelia Vismann und
Friedrich Kittler hatte sich bis in den Sommer des Jahres 2001 hin-
gezogen. Unterdessen war am 12. August Klossowski in Paris gestor-
ben, so dass das Buch seinem Gedächtnis gewidmet werden konnte.
Heidi Paris trieb die Frage um, ob IMD 240 noch vor der Buchmesse
würde gedruckt werden können. Denn ausgerechnet jetzt zog Pro-
fessor Kittler um: von Tempelhof nach Treptow („Es wundert mich
immer mehr, daß unsereinem noch Einfälle zufliegen, wenn vier
fünf Männer der Faust rund um beide Ohren werken.“ F. K., „eben
noch aus Tempelhof“, 20. August 2001).
Dienstag, 17. Februar 2009
Nymphae

Giorgio Agamben, Nymphae, Berlin 2005.
Die österreichische Künstlerin Zenita Komad wird 2010 den
schmalen Merve-Band in der für sie typischen Mischtechnik
auf Papier (40x30) verewigen. Die Direktorin des Linzer Len-
tos Kunstmuseums Stella Rollig bezeichnete die 54 Jahre nach
Ingeborg Bachmann in Klagenfurt geborene Komad 2008 als
„das It-Girl der jungen österreichischen Kunst“ und stellte die
rhetorische Frage: „Miss Universe der Kunst mit 28 Jahren?“
Bücher sind ein wiederkehrendes Motiv ihrer Papierarbeiten.
Neben Agambens Nymphae finden sich das I Ging aus Eugen
Diederichs’ Gelber Reihe, Adornos Minima Moralia, Batailles
Obszönes Werk, Bretons und Eluards Unbefleckte Empfängnis,
Serres’ Ablösung, Groys’ Über das Neue, Suetins Schachstra-
tegie der Weltmeister, und Eluards Anthologie des écrits sur
l’art – keine schlechte Gesellschaft.
Zenita Komad, Giorgio Agamben (2010)
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